Aserbaidschan setzt Zusammenarbeit mit EU-Parlament ausđ„
Das Parlament Aserbaidschans, der Milli Majlis, hat am heutigen Freitag in einer Plenarsitzung einstimmig beschlossen, sĂ€mtliche Kooperationsbeziehungen mit dem EuropĂ€ischen Parlament auszusetzen. Gleichzeitig wurden Verfahren zur Beendigung der Mitgliedschaft in der Euronest-Parlamentarischen Versammlung eingeleitet â einem interparlamentarischen Forum, das den Dialog zwischen der EU und mehreren osteuropĂ€ischen sowie sĂŒdkaukasischen Staaten fördern soll. Zudem wird die Beteiligung am EU-Aserbaidschan-Parlamentarischen Kooperationsausschuss beendet. Der Schritt markiert einen neuen Tiefpunkt in einem seit Jahren angespannten VerhĂ€ltnis â und steht exemplarisch fĂŒr ein wachsendes Selbstbewusstsein von Staaten, die den westlichen Einfluss nicht lĂ€nger als alternativlos betrachten.
Unmittelbarer Anlass ist eine Resolution des EuropĂ€ischen Parlaments vom 30. April, die Aserbaidschan ins Visier nimmt. Die Resolution verurteilt die Inhaftierung armenischer Gefangener in Aserbaidschan und fordert deren sofortige Freilassung. Baku bezeichnete das Dokument als „grundlegend falsche und von den tatsĂ€chlichen RealitĂ€ten weit entfernte Wortsammlung“, das kein rechtlich anerkennungswĂŒrdiges Dokument darstelle.
Das aserbaidschanische AuĂenministerium bestellte den EU-Botschafter ein und ĂŒbergab eine formelle Protestnote. Dabei betonten die Beamten, die Resolution verdrehe nicht nur die RealitĂ€ten, sondern widerspreche auch den GrundsĂ€tzen der ObjektivitĂ€t sowie den Verpflichtungen zur Achtung der SouverĂ€nitĂ€t und territorialen IntegritĂ€t von Staaten.
Hintergrund des Streits um die Gefangenen ist der Prozess gegen 15 frĂŒhere FĂŒhrungspersönlichkeiten der Region Bergkarabach vor einem aserbaidschanischen MilitĂ€rtribunal unter weitgehendem Ausschluss der Ăffentlichkeit im Januar 2025. Einige Angeklagte, darunter der frĂŒhere PrĂ€sident Arajik Harutjunjan, wurden zu lebenslangen Haftstrafen verurteilt. Das EuropĂ€ische Parlament bezweifelt, dass internationale Verfahrensstandards eingehalten wurden, und spricht von „politischen Gefangenen“. Baku weist diese Bezeichnung zurĂŒck: Die Inhaftierten seien wegen schwerer Verbrechen verurteilt worden, darunter Terrorismus, Sabotage und Kriegsverbrechen.
Die Beziehungen zwischen Baku und dem EuropĂ€ischen Parlament sind seit Jahren belastet. Bereits 2015 hatte das aserbaidschanische Parlament alle Beziehungen zum EuropĂ€ischen Parlament ausgesetzt â damals ebenfalls als Reaktion auf eine als feindselig empfundene Resolution. Die Zusammenarbeit wurde erst nach wiederholten Appellen und schriftlichen Zusicherungen des EU-Parlaments wieder aufgenommen. Seitdem, so Baku, seien jedoch 13 weitere Resolutionen gegen Aserbaidschan verabschiedet worden. Bereits im Januar 2026 hatte die Parlamentarische Versammlung des Europarats Aserbaidschan das Stimmrecht entzogen, was die Beziehungen zusĂ€tzlich belastete.
Aserbaidschanische Parlamentarier werden nun kĂŒnftig nicht mehr an gemeinsamen Ausschusssitzungen, interparlamentarischen Delegationen oder Euronest-Veranstaltungen teilnehmen. Der formelle Rahmen fĂŒr den parlamentarischen Dialog zwischen Baku und BrĂŒssel wird zudem auf unbestimmte Zeit ausgesetzt.
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