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  1. 2

    Catweazle

    Es gab da wohl 2 grundlegende Ursache für die Pleite:
    1. Das gesamte (Umsatz)Wachstum von Schlecker wurde per Kredit finanziert. Es wurde immer nur die Anzahl der Läden und damit die Ladenfläche erhöht. Leider spielte da der Umsatz per Quadratmeter zunächst überhaupt keine Rolle. Sowohl die Geschäftsführung als auch die Kreditgeber schauten nur auf die absoluten Zahlen. Die wuchsen selbstverständlich zunächst immer schneller an. Doch der Zeitpunkt an dem die Filialen es nicht mehr schaffen konnten sowohl den eigenen Betrieb als auch die Kredite zu finanzieren lag ja schon sehr lange in der Luft. Der Knall war praktisch unausweichlich.
    .
    2. Die moralischen Verfehlungen der Firma Schlecker trugen nicht unerheblich zum Kunden- und damit Umsatzschwund bei. Das was Schlecker da ablieferte war sogar das größere Schurkenstück. Zum Anfang beliess man es ja nur bei Lohndumping und unsäglichen Arbeitsverhältnissen. Unter Ganoven war Schlecker auf Grund des Ein-Frau-Betriebes der Filialen besonders beliebt bei Diebstahl und Raub. Dann kam Schlecker jedoch auf die grandiose Idee noch mehr Geld aus den Mitarbeitern heraus zu quetschen und kündigte ihnen zunächst um sie sofort über seine eigene Leiharbeitsfirma einzustellen. Natürlich nicht mehr annähernd zu den übliche Tarifen aber das war dieser Räuberfamilie ja egal. Die Presse wurde schlechter und schlechter und die Kunden machten sich vom Acker.
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    Jetzt dürfen die Kunden und Nicht-Kunden die Firma Schlecker über zig Schuld- und Steuerabschreibungsmöglichkeiten retten. So etwas hat die Bevölkerung hier nicht verdient.

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  2. 1

    Waffenstudent

    1. NICHT DIE LÖHNE, SONDERN DIE MIETEN SIND DAS PROBLEM VON SCHLECKER:

    Was hier völlig untergeht, das ist die Tatsache, daß wir eigentlich ein Problem mit unseren Gewerbeimmobilien in der BRDDR haben. Schleckerläden waren immer gemietete Objekte, die sich zudem in Randlagen befanden. Aber dennoch verlangte man dort gesalzene Preise. Wie man sieht, reicht es nicht mehr aus, wenn man am Markt mit preiswertigen Produkten und unterbezahltem Personal agiert, die bezahlten Ladenmieten sich allerdings am teuren Standart orientieren. In der Zukunft wird es heißen: Ladenmieten runter, Löhne runter, Preise rauf! (Oder hieß das bei der DKP nicht etwa: Mieten runter, Preise runter, Löhne rauf!) Gut, derartiges propagierten die Kommunisten mal vor dreißig Jahren. Aber irgend etwas wird mit den Mietpreisen der Gewerbeimmobilien geschehen. Aber nun stehen sie erst mal lange lange leer!

    2. Die vorgebrachte Schlecker-Kritik der vielen betriebswirtschaftlichen Strickstrumpfphilosophen argumentiert auch gegen die deutsche Volksgemeinschaft: Wo bitte sind denn die angepriesenen Ersatzarbeitsplätze? Wer geht denn jetzt in die leerstehenden Schleckerläden rein? Da gehen Linke und Nescher rein, denen die Gemeinde die Mieten finanziert! Und die vielen arbeitslosen Schleckerleute, die müssen sich vom Sparvertrag, Zweitwagen, dem Urlaub und den noch unbezahlten Eigenheim verabschieden. Und hinter jedem Schleckerjob fällt unsichtbar noch mal ein Spediteur, Lagerarbeiter, Steuerberater, Haustechniker, Hausverwalter usw in die Arbeitslosigkeit! (In meinem Schleckerladen, schafft eine Ossifrau, die wird am Wochenende immer mit einen sündhaft teuren BMW abgeholt) Und wenn ein prekariates Stadtviertel erst mal länger einen bestimmten Anteil am Leerstand hat, dann kann man es nur noch abreißen.

    3. Daß die Insolvenz derart hochkocht hat tiefere Ursachen. Die Schleckers haben es sich mit den Gewerkschaften und Banken verdorben: Man wollte keinen Betriebsrat und auch keine Kredite, vor allem aber wollte man keinen Investor. Dazu kommt, daß die Familie von Anfang an extrem medienscheu war, und die “Bunten Blätter” hier keinen leichten Reibach absahnen konnten. Trotzdem war die Firma in den letzten Jahren nicht mehr fähig, ihre viel zu teuren Mieten zu erwirtschaften. Bei aktuellen Jungfacharbeiternettolöhnen von 1500 Euro muß sich die junge Hausfrau auch beim Kauf von Schleckerprodukten disziplinieren. Angesichts dieser Tatsachen, wird Schlecker nur den Anfang einer Kette von Insolvenzen bilden. Verlierer dieser Entwicklung werden die Vermieter der Gewerbeimmobilien sein. Und das betrifft vor allem die Gemeinden.

    4. Der aktuelle Presseaufschrei zur Schlecker-Insolvenz übertritt bei weitem den Medienwirbel bei Pleiten, die der deutschen Volkswirtschaft wirklich bitter weh getan haben, denn hochqualifizierte Arbeitsplätze und Patente sowie Immobilien hat der Betrieb ja nicht zu bieten. Aber Schlecker wird die Mieten halbieren, die Aufwendungen für Versicherungen und seine Zulieferer sowie all die vielen Subunternehmer beschneiden und weiter machen; denn niemand kann auf die Einnahmen von Schlecker verzichten.

    5. Gestern war es Schlecker, wer ist morgen dran? Die ersten Aldiläden, die ich um 1970 kennen lernte, befanden sich in Lagerhallen und Gebäuden, welche vor dem Abriß standen. Es sollte mich nicht wundern, wenn diese Geschäftsidee bald wieder um sich greift. Bei Benzinpreisen von 3 DM wird manche Fahrt zum Supermarkt ein teures Vergnügen, auf das man besser verzichtet.

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