Die Verhandlungen, die am Samstag in Istanbul stattfinden, können schicksalhaft für den Frieden im gesamten Nahen Osten werden, schreibt die Tageszeitung „Moskowskije Nowosti“ am Freitag. Quelle: de.rian.ru
Die Länder der Sechsergruppe werden versuchen, den Iran zur Einstellung der Aktivitäten um die Entwicklung seines militärischen Atomprogramms zu bewegen.
„Zuvor hatten die USA eindeutig zu verstehen gegeben, dass die Istanbuler Verhandlungsrunde die letzte Chance für die Überwindung der Iran-Krise mit diplomatischen Mitteln bietet. Ein Scheitern der Verhandlungen könnte den Weg zu einer militärischen Operation Israels auf dem iranischen Territorium eröffnen“, stellt die Zeitung fest.
„Die meisten von der Zeitung befragten Experten sind darin einig, dass die Militäroperation eine Serie von israelischen Bomben- und Raketenschlägen gegen die iranischen Nuklearobjekte darstellen wird, die möglichst rasch über die Runden gehen muss – längere Bombenangriffe würden zwangsläufig zu großen Verlusten führen. Die Frage ist, ob Israels Ressourcen ausreichen, um einen solchen Schlag im Alleingang vorzunehmen.“
„Die Bombenangriffe gegen die iranischen Objekte sollen von Jagdbombern des Typs F15I ausgeführt werden“, führt das Blatt weiter aus. „Die israelischen Luftstreitkräfte verfügen über 25 solche Maschinen. Mit Hilfe von Bomben GBU-28 und GBU-27, mit denen die israelischen Fliegerkräfte ausgerüstet sind, kann Israel aus eigener Kraft nur die Objekte in Natans, Arak und Isfahan vernichten. Parallel wird Israel auch Raketenschläge ausführen. Eine ballistische Mittelstreckenrakete des Typs Jericho-3 kann eine Tonne schwere nukleare und konventionelle Gefechtsköpfe 4800 Kilometer weit befördern.“
Friedliche Atomenergie oder Kernwaffen
„Um das iranische Territorium zu erreichen (die Entfernung beträgt rund 1200 Kilometer Luftlinie), müssen die israelischen Bombenflugzeuge in der Luft nachgetankt werden. Laut westlichen Medien verfügt Israel über fünf Tankflugzeuge des Typs Lockheed Martin KC-130. Jedes davon kann maximal zwei Kampfflugzeuge in der Luft nachbetanken. Das bedeutet, dass Israel höchstens zehn seiner Flugzeuge bis zum iranischen Territorium bringen kann.“
„Aber selbst wenn die israelischen Flugzeuge den Iran erreichen, werden sie das gefährlichste Atomobjekt dieses Landes – die im Januar 2012 der Bestimmung übergebene Urananreicherungsfabrik in Fordu – nicht vernichten können. Über ihre Schließung wird es am Samstag erneut bei den Verhandlungen in Istanbul gehen. Teheran hat indessen mehrmals resolut betont, es werde das nicht tun.“
Um das gut geschützte Objekt in Fordu vernichten zu können, sind die sogenannten Bunkerbomben der jüngsten Generation erforderlich, stellt die Zeitung fest. „Es handelt sich um die 13,6 Tonnen schwere amerikanische Bombe des Typs Massive Ordnance Penetrator, die die 60 Meter dicke Betonhülle durchbrechen kann. Amerikanische Medien berichteten im vergangenen Jahr, dass das Unternehmen Boeing nur 16 solche Bomben hergestellt hat. Acht davon hat das Pentagon gekauft, die restlichen dürften sich noch im Boeing-Depot befinden.“
„Wie Reuters unter Berufung auf diplomatische Quellen berichtete, hat der israelische Premier Benjamin Netanjahu bei seinem jüngsten US-Besuch Anfang März die US-Administration gebeten, Israel einige Bomben dieses Typs, das einzige Trägermittel für diese Munition sowie zusätzliche Tankflugzeuge zur Verfügung zu stellen.“
„Für das Netanjahu-Kabinett wird es nicht leicht sein, vom Weißen Haus Unterstützung zu bekommen“, schreibt die „Moskowskije Nowosti“. „Barack Obama bereitet sich auf die Präsidentenwahlen im November vor, eine weitere Zuspitzung der Situation im Nahen Osten kommt ihm jetzt nicht gelegen.“
„Es liegt aber nicht nur an den Wahlen. In den zurückliegenden drei Jahren haben sich die Beziehungen zwischen Obama und Netanjahu stark verschlechtert“, so das Blatt. „Die Aussichten für Lieferungen der neuesten amerikanischen Waffen an Israel erscheinen in der jetzigen Situation zweifelhaft.“
„Dennoch berichtete die israelische Zeitung ‚Maariv’ unter Berufung auf eigene diplomatische Quellen, Obamas Administration habe Israel die Bunkerbomben versprochen. Die Hauptbedingung: Netanjahu müsse mit seinem Angriff auf den Iran bis zum Abschluss der Präsidentenwahlkampagne in den USA abwarten.“