Nach Aleppo ist vor Annan

Einwohner begrüßen die syrische Armee in Aleppo, 12.08.2012

Die Anschläge vorgestern in Damaskus, bei denen Unbekannte einen Sprengsatz an einer Bank im Stadtviertel Marja zündeten und daraufhin wild um sich schossen, passen genau in das Schema, das voraussichtlich nach der militärischen Zerschlagung der Rebellenbanden als Szenario eintreten wird. Quelle: apxwn

Dieses Szenario wurde in Syrien bereits vor der „Friedensinitiative“ Kofi Annans angestoßen, als spätestens im April die militärische Niederlage der Rebellen – nach der Befreiung des damaligen Benghazi-Analogons Homs – bereits einmal Wirklichkeit wurde, die Armee sich die strategische Initiative erarbeitet hatte und sie erst durch den „Waffenstillstand“ wieder aus den Händen geben musste. Zu dieser Zeit – in den Monaten März und April – begann genau solch eine Terrorwelle, die sich bis zu dem Moment zog, da die Rebellen erstarkt, neu bewaffnet und umgruppiert waren und anschließend zu neuen Angriffswellen übergingen.

Hier Aufnahmen vom vergangenen Sonntag aus Aleppo, gefilmt und erschienen bei ANNA-News:

In diesen Tagen kehrt alles wieder zur Situation von ungefähr April 2012 zurück. Die Niederlage in Aleppo macht einen organisierten Krieg gegen die Regierung unmöglich. Sicherlich lösen sich die Rebelleneinheiten nicht einfach in Luft auf – allerdings sind Versuche, bei einer offensichtlichen Niederlage eine einheitliche Kommandostruktur auf der Verliererseite zu etablieren und so einheitlich als organisierte Kraft gegen die Regierung vorzugehen, zum Scheitern verurteilt. Viel zu ernst sind die Differenzen in den Reihen der „Opposition“. Wenn man sich an Libyen erinnert, so hatten die Rebellenbanden selbst nach dem Fall Tripolis‘, als das Schicksal der Dschamahirija bereits besiegelt war, und noch während des Kampfes um Sirte sich bereits gegenseitig befehdet – durchaus bis hin zu bewaffneten Auseinandersetzungen zwischen einzelnen Brigaden auf Rebellenseite. Unter Bedingungen wie jetzt in Syrien, wo ein theoretischer Sieg Äonen entfernt ist, ist es geradezu unsinnig, von Organisation und einheitlichem Kommando zu sprechen.

Man kann deswegen durchaus davon ausgehen, dass – wenn die Dinge ihren von außen ungestörten Lauf nehmen – in Syrien eine neue Phase des Krieges bevorsteht, oder besser: es wird auf mehreren Ebenen parallel weiter Krieg geführt werden müssen. Der Krieg der Islamisten, der Krieg, den die FSA weiter betreiben wird (und nach allen Anzeichen ist es gerade die FSA, die in einzelne, territorial operierende Banden zerfallen wird). Im Gewühl werden die Aktionen der ausländischen Terrorbrigaden weiterlaufen, welche lediglich des Anstands und der Videoaufnahmen halber von ein paar Syrern durchsetzt sind. Zu alledem wird von Spezialeinheiten und Geheimdiensten bestimmter Mächte mit Sicherheit weiter Jagd auf die Führungsriege gemacht.

All diese Varianten haben unterschiedliche Prägung, Ziele und Intensität und erfordern folglich verschiedene Taktiken. Allen gemein wird letztlich die Tendenz sein: nämlich hin zu terroristischer Aktivität, vor allem deshalb, um den Sponsoren per Youtube-Video Rechenschaft für die bereitgestellten Mittel abzulegen. Der Krieg wird zum Business, und einzelne Fanatiker, die ihren jeweils eigenen Dschihad führen, sind in dieser Kriegsbuchhaltung nur Beiwerk.

Das erfordert von der syrischen Führung ernsthafte Anstrengungen; an den Krieg nach jetzigem Format, in welchem größere Einheiten bewaffneter Rebellenkämpfer unschädlich zu machen sind, hat man sich bereits gewöhnt. Die Armee hat ihre Erfahrung, ebenso die Führung, aber die Fertigkeiten eines effektiven Antiterrorkriegs muss man sich erst erarbeiten, und für Syrien heißt das: praktisch von Null. Die Armee ist dazu schlicht nicht geeignet.

Inwieweit die Regierung damit klarkommen wird, ist bisher eine offene Frage, ganz besonders unter der Berücksichtigung dessen, dass noch nicht alle militärischen Ziele erreicht und die Bedrohung einer ausländischen Einmischung z.B. in Form von nominellen „Flugverbotszonen“ nicht aus der Welt geschafft sind.

Syrien aktuell: Damaskus – Mission accomplished

Fast drei Wochen hat es gedauert, bis die letzten Rebellenkämpfer aus den Stadteilen und Vororten von Damaskus ausgeräuchert wurden. Quelle: apxwn

Der letzte Stadtteil, in welchem letztlich die öffentliche Ordnung wiederhergestellt werden konnte, ist At Tadamon. Häuserkampf in der eigenen Hauptstadt ist wahrscheinlich nichts, was irgendeine Armee dieser Welt gut kann oder gerne tut. Derweil treten mit Einrücken der Armee in die befreiten Stadtteile weitere Greueltaten der Rebellenbanden von der “Freien Syrischen Armee” zutage. Die folgende Reportage des russischen Fernsehkanals 1TV.Ru berichtet von einem Massaker der Rebellen unter der Zivilbevölkerung in Al Tadamon und lässt Zeugen aus den Reihen der verängstigten Einwohner zu Wort kommen.

Vertreter von internationalen Menschenrechtsorganisationen sprechen erstmals darüber, dass die bewaffnete Opposition in Syrien Kriegsverbrechen begeht. Genauer geht es um einen vielfachen Mord in einem Schulhof von Aleppo. Über Massenhinrichtungen berichten auch die Einwohner von Damaskus. Zurzeit ist ein Team des Ersten Kanals vor Ort.

00:18: Am Rande einer Baugrube stehen die Menschen in gespanntem Schweigen. Hier fällt das Atmen schwer. Dort unten liegen die Leichen von Bewohnern der umliegenden Häuser. Noch ist es unbekannt, wieviele es sind, doch es gibt Zeugen dafür, wie und vom wem sie umgebracht worden sind.

Mann: Ich habe die Erschiessungen vom Balkon aus gesehen. Man bemerkte mich, sie brachen bei mir ein, zogen mir einen Sack über den Kopf und brachten mich in ein Haus, wo ich verhört wurde. Ich habe gesagt, ich sei nur ein kleines Licht und wüßte von nichts.

Frau aus dem Auto: Ich habe es selbst gesehen, wie die Menschen an den Rand der Grube gebracht, erschossen und die Leichen hinabgeworfen wurden. Ich weiß nicht, weshalb man sie umbrachte – wahrscheinlich haben sie es abgelehnt, mit denen – den Oppositionellen von der Freien Syrischen Armee – gemeinsame Sache zu machen.

Diese Frau ist die einzige Zeugin, welche diese Morde namentlich den Einheiten der bewaffneten Opposition anlastet. Die anderen Zeugen drücken sich vorsichtiger aus: das seien irgendwelche Bewaffneten gewesen. Sie sagen, dass Zivilisten täglich im Verlauf von fast 2 Wochen erschossen wurden. Erst, als der Stadtbezirk At Tadamon von den bewaffneten Kämpfern befreit wurde, haben sie das Vorgefallene der Armee gemeldet.

Mahaddin Simach, Soldat: Die genaue Zahl wissen wir derzeit noch nicht. Uns wurde gesagt, es seien ungefähr 20 Ermordete in der Baugrube. Sie sehen – obenüber liegt Bauschutt, Armaturen, Steine – wir werden das jetzt alles durchsuchen.

Rauch, Einschusslöcher, Patronenhülsen – diese Straßen sind noch nicht von den Kämpfen erkaltet. Vom Stadtviertel At Tadamon bis ins historische Zentrum der syrischen Hauptstadt sind es 10 Autominuten. Die Regierungstruppen haben mehrere Tage gebraucht, um die bewaffnete Opposition von hier auszutreiben – erst mittels Artillerie und Panzerfahrzeugen, dann – am frühen Morgen – ist die Präsidialgarde eingerückt.

Nach Auskunft der Militärs hat die bewaffnete Opposition At Tadamon tatsächlich unter ihrer Kontrolle gehabt – an den Häuserwänden sieht man die Fahnen der Opposition, und hier den Spruch: “Wir gehen nicht!”. Man zwang sie aber dazu. Die Befreiung des Stadtteils stand unter der Führung dieses Mannes – eines Feldgenerals, der beim Interview sein Gesicht von der Kamera abwendet.

Feldgeneral: Wir haben faktisch alle Stadtteile von Damaskus von den bewaffneten Banden gesäubert. Das hier war das letzte. Einzelne halten sich noch versteckt. Morgen werden die Oppositionellen verkünden, dass wir sie gar nicht besiegt haben, sondern dass das ein taktischer Rückzug sei. Wundern Sie sich also nicht.

Der Stab der Oppositionskräfte wurde in einer Moschee eingerichtet. In ein und demselben Saal betete man und schmiedete taktische Pläne.

Reporter: So, wie es hier aussieht, hatten die Rebellen hier nicht nur ihren Stab, sondern auch ein Lazarett. Hier gibt es Verbandsmaterial, chirurgische Instrumente, Medikamente, und dort sieht man, wo die Verwundeten lagen.

Ihre Toten übergaben die Rebellenkämpfer im Nachbarhof der Erde – 12 sorgfältig angelegte Gräber. Der Stab in der Moschee wurde von den Regierungstruppen eher mit einer List als mit Gewalt eingenommen.

Soldat: Eine Moschee ist ein Ort des Gebets, nicht des Kampfes. Wie könnte man hier schießen oder bomben? Wir haben sie schön in die Zange genommen und alle verhaften können.

Wie viele Rebellenkämpfer verhaftet wurden, wird von den Armeeangehörigen nicht mitgeteilt. Wir haben vier gesehen. Man versicherte uns, dass sie verhört und dem syrischen Sicherheitsdienst übergeben würden. Danach bekommen sie ein Gerichtsverfahren. Die Verwandten haben indes schon die Leiche eines der Bewohner identifiziert. Er war entführt worden, man forderte für ihn ein Lösegeld oder 10 Maschinengewehre. Hier wurden ebenso die Leichen von drei Lehrerinnen der hiesigen Schule gefunden. Insgesamt wurden in unserem Beisein 9 Leichen aus der Baugrube hervorgeholt – damit ist die Arbeit aber noch nicht beendet. Auch das Militär verlässt diesen Stadtteil von Damaskus noch nicht. Die Panzer stehen nach wie vor auf den Strassen.

 

 

Syrien Konflikt aktuell: 7 Agenten Zions verhaftet

7 Terroristen wurden in Syrien verhaftet, die für die zionistischen Sicherheitsdienste arbeiteten und eng mit Geagea und Hariri verbunden sind.

von Dr. Steffen Seidel gefunden bei julius-hensel.com

Terroristische Gruppen kämpfen in Syrien gegen die syrische nationale Armee. Von syrischen Kräften wurden sieben Terroristen verhaftet, die für die zionistischen Sicherheitsdienste arbeiten und eng verknüpft sind mit dem zukünftigen Parteichef der Milizen Saad Hariri und mit dem Leiter der libanesischen Streitkräfte, Samir Geagea, berichtete “Al-Manar” Zeitung am Donnerstag.

Die täglich ebenfalls zitierten Quellen aus Doha sagen, dass die Geheimdienste aus Katar den Kontakt zu sechs der eigenen Mitglieder verloren hat, die die Kommunikation mit den bewaffneten Gruppen in Aleppo beaufsichtigen.

Die Quellen  befürchteten, dass sie in der Gewalt der syrischen Truppen sind.
“Al-Manar Tageszeitung” sagte auch, dass Französische, amerikanische und türkische Geheimdienste ihre Mitglieder gebeten haben, die heißen Kampfzonen in Aleppo zu verlassen, nachdem sie Informationen über die Belagerung von Tausenden von ausländischen Kämpfern in den Vierteln von Aleppo erhalten hatten.

Quelle: uprootedpalästinians

 

 

Die Tagesschau, die Aufstachelung zu religiösem Hass und die Zensur

Die staatliche deutsche Propaganda-Sendung “Tagesschau” hat heute einen “Bericht” publiziert, in dem sie ihren Konsumenten erklärt, dass in Syrien die Glaubensgemeinschaft der Alawiten die Macht im Staat unter sich verteilt, die Alawiten Sunniten böse unterdrücken und Regierung und Opposition seit der Entfesselung der Unruhen sektiererische Gewalt anzheizen, kompllett mit Karten, wo die Angehörigen welcher Religionsgemeinschaften jeweils in der Mehrheit sind und wo nicht. Quelle nocheinparteibuch

Ein Parteibuch-Leser hat dazu bei der Tagesschau folgenden Kommentar abgegeben:

Hier wird gezielt zu religiösem Hass angestachelt

Vor wenigen Monaten war die Frage der Reigion nicht wichtiger als in Deutschland. So wie es in Deutschland keine Frage ist, ob jemand christlich, evangelisch, katholisch, atheistisch, jüdisch, muslimisch oder einer sonstwelchen Ideologie oder Konfession ist, so war das auch in Syrien.

Der Präsident ein Alawit, seine Frau Sunnitin und der Verteidigungsminister Christ, das spielte keine Rolle. Die Menschen heirateten unter den Konfessionen und arbeiteten konfessionsübergreifend zusammen. Die meisten wissen nicht einmal, wer konkret welcher Glaubensgemeinschaft angehört. Die syrischen Medien lassen bei Berichten über Kriminalität die Information, zu welcher Glaubensgemeinschaft Täter und Opfer gehören, grundsätzlich weg.

Es gibt aber in Syrien wie es in Deutschland Nazis gibt, für die solche Fragen wichtig sind, eine kleine Gruppe, die versucht, die Menschen nach religiösen Gruppen zu kategorisieren. Es sind die Anhänger der wahhabitischen Sekte, selbsternannte Salafis und Jihadis.

Die Zensoren der Tagesschau haben diesen Kommentar wie üblich unterdrückt. Nicht auszudenken, was passieren würde, wenn Leser auf den Gedanken kommen, die Tagesschau vermittle ein religiös-rassistische geprägtes Weltbild in Bezug auf Syrien. Wenn die Tagesschau Syrien durch solch ein rassistisches Prisma sieht, dann könnten Leser in Deutschland auf den Gedanken kommen, das Gleiche Prisma auch bei der Betrachtung von Deutschland anzuwenden. Dieses Prisma nennt sich in Deutschland “Rechtsextremismus” und es gab schon mal eine Zeit, wo das in Deutschland vorherrschend war, doch die meisten Menschen in Deutschland erinnern sich an diese Zeit nicht gern.

Deutschland beteiligt sich an Kriegsvorbereitungen gegen Syrien

Die deutsche Regierung beteiligt sich hinter den Kulissen seit langem aktiv am Bürgerkrieg in Syrien und an den Vorbereitungen für eine militärische Intervention.

Von Christoph Dreier 31. Juli 2012 

Berlin ist eine wichtige Schaltstelle für die vom Westen finanzierte und ausgebildete Free Syrian Army (FSA) und den Syrian National Council (SNC), die hier abgeschirmt von der Öffentlichkeit an Plänen für die Ablösung des Regimes von Baschar al-Assad arbeiten.

Auch die 70 Staaten umfassende „Freundesgruppe des syrischen Volkes“, die den bewaffneten Aufstand gegen die syrische Regierung unterstützt, unterhält in Berlin ein Sekretariat und hat sich Ende Juni in der deutschen Hauptstadt getroffen.

Bisher fanden viele dieser Aktivitäten im Geheimen statt. Nach außen bemühte sich die deutsche Regierung, den Eindruck des Vermittlers zu erwecken und Russland und China für die Unterstützung einer Syrien-Resolution im UN-Sicherheitsrat zu gewinnen. Doch damit ist nun Schluss.

Anfang vergangener Woche kündigte der deutsche Außenminister Guido Westerwelle gegenüber der Süddeutschen Zeitung einen „Wendepunkt“ in der Syrienpolitik an. Die deutsche Regierung setzt nicht länger auf ein Vorgehen mit Rückendeckung des UN-Sicherheitsrats, sondern auf einen Alleingang der „Freunde Syriens“, auch gegen den ausdrücklichen Willen von Russland und China.

In einem Papier des Auswärtigen Amtes für die europäischen Partnerstaaten heißt es, die Regierung Assad werde nicht mehr in der Lage sein, die volle Kontrolle über das Land zurückzugewinnen. Weil der Sicherheitsrat aufgrund der Ablehnung eines militärischen Eingreifens durch Russland und China blockiert sei, müssten andere Wege gefunden werden, die Gewalt einzudämmen und Vorkehrungen für einen Wiederaufbau nach dem Ende des Regimes zu treffen.

Das ist eine kaum verhüllte Aufforderung zur militärischen Intervention im Rahmen einer „Koalition der Willigen“.

Die Bundeswehr hat seit Beginn der Konflikte in Syrien eine wesentliche Rolle dabei gespielt, die Waffenlieferungen an die syrischen Rebellen abzusichern. Ein erheblicher Teil dieser Waffen wird auf dem Seeweg in die libanesische Hafenstadt Tripoli transportiert und von dort aus über die Grenze gebracht.

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Obama und Erdogan erörtern Wege zur Absetzung von Assad

US-Präsident Barack Obama hat am Montag mit dem türkischen Präsident Recep Tayyip Erdogan Wege zur Absetzung des syrischen Präsidenten Barack Obama telefonisch behandelt. Quelle: de.rian.ru

„Präsident Obama erörterte mit Premier Erdogan am Telefon eine Koordinierung ihrer Bemühungen um die Beschleunigung der politischen Machtübergabe in Syrien, die die Absetzung von Baschar al-Assad vorsehen und den legitimen Forderungen des syrischen Volkes entsprechen muss“, teilte der Pressedienst des Weißen Hauses mit. 

Beide Spitzenpolitiker äußerten ihre Besorgnis über die „sinnlosen Attacken auf die zivile Bevölkerung, darunter auch in Aleppo“, so der Pressedienst.

Die syrische Armee führt seit drei Tagen eine Operation zur Vertreibung von bewaffneten Oppositionskämpfern aus der Stadt Aleppo. Die US-Administration, die zuvor die Notwendigkeit einer möglichst baldigen Machtübergabe in Syrien an die Opposition betont hatte, erklärte nach dem Scheitern der amerikanischen Variante der Resolution des Uno-Sicherheitsrates, sie werde nun versuchen, Wege zur Regelung des Syrien-Problems „außerhalb des Uno-Rahmens“ zu finden. Am Montag verkündete das US-Außenamt eine Verstärkung der Unterstützung für die syrische Opposition, die gegen die Regierungskräfte kämpft.

Wochenschau Nahost – Syrien aktuell und der kurdische Faktor.

Es gibt ein interessantes russisches Projekt, das in wöchentlichem Rhythmus Nachrichten aus Nahost und Zentralasien in einer Art Zusammenfassung herausgibt.

Diese Nachrichten werden auf eine gewisse zugängliche Art aufbereitet und liefern interessante Hintergründe und Analysen, und das auf allgemeinverständlichem Niveau. Quelle apxwn

Das Projekt nennt sich „Umgestaltung der Welt“ (russ. „Mirowoj peredel“, englische Übersetzungen haben „Redivision of the world“) und meint damit die Prozesse, die dokumentiert werden.

Hier soll auf experimenteller Basis einmal das von Kollege Halfdralf erstellte deutsche Voice-Over der aktuellen, erst gestern erschienenen Folge gebracht werden, darunter der Text zum Nachlesen, der zu diesem Behufe auch mit einigen weiterführenden Links versehen wurde.

Veröffentlicht am 30.07.2012 von 

ab 00:43:

Die syrische Regierung führt Säuberungsaktionen in Aleppo durch. Diese nahe der türkischen Grenze gelegene Stadt sollte eine Hochburg der Opposition werden, ähnlich wie Benghasi in Libyen. Allerdings verläuft die Operation der syrischen Armee gegen die dort eingenisteten Rebellen recht erfolgreich, was offenbar im Westen deutlichen Unmut hervorruft.
Von der aussichtslosen Lage der Rebellen zeugt auch die vor kurzem verbreitete Erklärung der Freien Syrischen Armee, die zu einem Guerillakampf übergehen will. Das bedeutet, dass sie keine Kraft und Möglichkeiten mehr zu einer offenen militärischen Konfrontation mit der syrischen Regierung hat.

Das heißt natürlich nicht, dass in Syrien bald Frieden herrscht. Im Gegenteil, je schlechter die Lage der Rebellenbanden, desto merklicher wird der Druck aus dem Ausland. In dieser Woche ist im syrischen Konflikt erstmals der „kurdische Faktor“ zum Tragen gekommen.

Der „kurdische Faktor“

ab 01:38:

Kurdistan ist eine Region, die auf die Gebiete des Iran, Irak, der Türkei und Syrien fällt. Nach einigen Angaben gibt es ungefähr 60 Millionen Kurden. Seit 1840 führen die Kurden einen erbitterten Kampf um die Schaffung eines eigenen, unabhängigen Staates. Der bislang größte Erfolg ihres Unabhängigkeitskampfes war die Schaffung einer Autonomie – faktisch einer Unabhängigkeit – im Norden des Irak nach dem Sturz Saddam Husseins. Allerdings sieht das Projekt „Groß-Kurdistan“ die Angliederung der kurdischen Gebiete im Iran, der Türkei und Syrien vor. Gerade mit den Türken haben die Kurden ein äußerst schwieriges Verhältnis. Im Verlauf der vergangenen Jahrzehnte führt die Kurdische Arbeiterpartei PKK einen bewaffneten Unabhängigkeitskampf mit der Türkei. Diesem Kampf sind bislang einigen Angaben zufolge insgesamt rund 35.000 Menschen zum Opfer gefallen.

Es ist nur logisch, dass in dem sich entfesselnden Krieg im Nahen Osten der kurdische Faktor über kurz oder lang zum Tragen kommen musste. Die auf syrischem Territorium lebenden Kurden sympathisieren nicht allzu sehr mit der Regierung, lassen sich aber auch nicht von den Rebellen zu deren Zwecken gebrauchen. Dies hat sich Baschar al-Assad zunutze gemacht, die syrischen Truppen aus den Städten im Nordosten des Landes abziehen lassen und die Kontrolle dort an kurdische Milizen übergeben. Auf diese Weise haben die Kurden größere Landstriche im Grenzgebiet zur Türkei unter ihre Kontrolle bekommen und einen kurdischen nationalen Madschlis, also ein Parlament, zur Verwaltung ihrer Autonomie geschaffen.

Es fragt sich, wozu Assad diesen Schritt unternommen hat, denn es würde ja sicher sehr schwierig werden, den Kurden die einmal zugestandenen Privilegien wieder abzuerkennen. Jedoch haben die Türken, die wesentlich an der Aggression gegen Syrien beteiligt sind, auf diese Weise ein enormes Problem vor ihrer Haustür bekommen. Das Autonomiezugeständnis gegenüber den syrischen Kurden hat sofort Reaktionen der türkischen Kurden nach sich gezogen, die analoge Privilegien für sich einforderten; die Türken waren gezwungen, die Grenzen nach Syrien zu schließen und traten mit heftigen Attacken gegen die syrische Regierung auf. Das bedeutet, dass Assad ihren wunden Punkt genau getroffen hat.

Allerdings gibt es bei dieser Geschichte auch eine Kehrseite. Der türkische Premier Erdogan hat erklärt, dass sein Land sich das Recht vorbehält, kurdische Kämpfer auch auf syrischem Territorium zu verfolgen, sofern diese in den dortigen kurdischen Gebieten Zuflucht suchen. Als Reaktion darauf bezeichnete der Vorsitzende des Exekutivrats der Gemeinschaften Kurdistans, Marat Karayilan, einen solchen Schritt der Türkei als „wahnsinnig“ und drohte, dass in einem solchen Fall alle Kraft des kurdischen Volkes gegen die Türkei geworfen würde.

Mit anderen Worten, im Konflikt in Syrien ist der „kurdische Faktor“ inzwischen massiv ins Spiel gebracht worden und kann damit durchaus den Verlauf der Situation wesentlich beeinflussen.

Feuer auf dem Pamir

ab 04:34:

Eine komplizierte Lage herrscht in Tadschikistan. Wir hatten bereits von einer Konzentration bewaffneter Kämpfer an der afghanisch-tadschikischen Grenze berichtet.

In der schwer zugänglichen Bardudsch-Schlucht in den afghanischen Distrikten Baharak und Zebak (Provinz Badachschan) haben sich um die 150 bis 200 bewaffnete Kämpfer konzentriert. Sie bestehen aus Taliban, dem Dschamaat Ansarullah und der Islamischen Bewegung Usbekistans – eine Gruppe aus ethnischen Afghanen, Tadschiken, Usbeken und Tschetschenen.

Diese Gruppierung kam über die Pässe Tupchon und Schochi Salem aus Pakistan und sammelt sich zum Eindringen in die zentralasiatischen Republiken über die Distrikte Eshkashem, Shegnan und Darvaz. Sicherlich nur dazu, um dem Genossen Rachmonow die Ehre zu erweisen.

Am vergangenen Dienstag begann in Tadschikistan eine Militäroffensive gegen bewaffnete Kämpfer im Autonomen Gebiet Berg-Badachschan. Es waren rund 3.000 Militärangehörige und Sondereinsatzkommandos mit Panzerfahrzeugen und Luftwaffe daran beteiligt. Zum Zeitpunkt der Erstellung dieser Videoreportage, also 4 Tage nach Beginn der Operation, haben die bewaffneten Kämpfer ihre Waffen noch nicht niedergelegt.

Nach offiziellen Angaben sind im Zuge der Auseinandersetzungen bisher 12 Armeeangehörige der Regierungskräfte umgekommen, Dutzende verletzt worden. Von Seiten der bewaffneten Militia gibt es 30 Tote, 40 wurden gefangengenommen, von denen 8 Afghanen von der Taliban-Bewegung sind.

Derzeit hat Tadschikistan die Grenze nach Afghanistan geschlossen, Afghanistan hat seinerseits die Militärpräsenz an dieser Grenze erhöht. Inoffizielle Quellen sprechen von mehreren Hundert Toten, unter denen viele Zivilisten seien.

Formaler Anlass für die Militäroperation war der Mord an Abdullo Nasarow, einem General der tadschikischen Sicherheitskräfte. Der Mord passierte in Chorog, der Hauptstadt des autonomen Gebiets Berg-Badachschan.

Diese Großoffensive soll es der Regierung offensichtlich gestatten, die ihrer Kontrolle entgleitenden Regionen von „unerwünschten Elementen“ zu bereinigen. Ziel ist es, die NATO-Nachschublinien zu sichern, die über die Gebirgspässe führen. Diese Region stellt ein ideales Rückzugsgebiet für die Taliban dar, von wo aus sie Anschläge auch in Tadschikistan unternehmen und die Lage so destabilisieren. Die harte Reaktion des tadschikischen Präsidenten Rachmon ist deshalb verständlich, allerdings wäre es verfrüht, über Erfolg oder Misserfolg zu urteilen. Wenn die Angaben über Opfer unter der Zivilbevölkerung bestätigt werden, kann dies zum Ausgangspunkt weiterer Auseinandersetzungen mit schwerwiegenden Folgen werden.

Wahhabiten in Tatarstan

ab 07:04:

Wir müssen erneut zu dem Zwischenfall mit den Anschlägen auf religiöse Führungspersönlichkeiten in Tatarstan zurückkehren. Es ist immer noch unklar, was die Motive für diese Anschläge sind – wirtschaftliche oder religiöse Konflikte.

Am Tag der Anschläge wurde im Internet eine Videoaufnahme verbreitet, wo ein gewisser „Emir der Mudschaheddin Tatarstans“ von seinem Treueschwur gegenüber Doku Umarov spricht. Das wäre eine Bestätigung für die verdeckte Präsenz eines wahhabitischen Untergrunds in Tatarstan und damit für die These von einer religiösen Konnotation der Anschläge.

Einzig Unvermummter in einer Gruppe offenbar islamistischer Miliz ab 07:35:

Assallam Aleikum, Brüder und Schwestern. Mein Name ist Muhammed, ich bin der militärische Emir Tatarstans. Ich möchte eine Erklärung abgeben. Wir, die Mudschaheddin Tatarstans, haben im Jahr 2000 Doku Abu Usman die Treue geschworen. Jetzt schreiben wir das Jahr 2012, und wir wollen unseren Schwur erneuern. Wir, die Mudschaheddin Tatarstans, schwören Doku Abu Usman die Treue, schwören, allen seinen Befehlen zu gehorchen, was den Koran und die Sunna angeht. Assallam Aleikum, Brüder und Schwestern!

Was die letzten beiden Sujets angeht, so braucht man erst einmal nichts zu ergänzen, aber zu Syrien eine Anmerkung.

Tatsächlich hat die fast schon geniale politische Lösung des „kurdischen“ Rebus durch Assad die Positionen der Türkei um ein Vielfaches verschlechtert und ihr eine Vielzahl von Problemen beschert.

Auf diese Weise wird aus den früher geäußerten Vermutungen, der Westen sei bereit, den freiwilligen Machtverzicht Assads gegen Garantien über dessen persönliche Unversehrtheit einzutauschen, fast schon ein Fakt. Jedenfalls ist die durchgesickerte Nachricht, die „zivilisierte Welt“ sei bereit, Manaf Tlass als Führer einer Übergangsregierung anzuerkennen, eine Bestätigung dafür.

Es ist durchaus möglich, dass die Demokratisatoren unter Berücksichtigung dessen, welches Chaos aus der gegebenen Situation entstehen kann, bereit sind, eine Diktatur jeder erdenklichen Härte in Syrien zu akzeptieren, Hauptsache, diese verzichte künftig auf die guten Beziehungen zum Iran. Aber dazu müsste Assad, der sich derzeit auf einer Erfolgswelle befindet, eben freiwillig gehen. Und zwar bald, denn sonst gehen die ganzen schönen Pläne vor die Hunde. Mal sehen, was Baschar macht.