Bettina Wulff sorgt für Aufregung.
Gestern erschien ihr erstes Buch „Jenseits des Protokolls“ – eine Abrechnung mit ihrer Amtszeit als First Lady und den Gerüchten um ihre angebliche Rotlicht-Vergangenheit.
Christian Wulff: „Was wir erlebt haben, das ist schrecklich. Das wünscht man keiner Frau. Das ist schrecklich für eine Familie. Aber jetzt kommt die Welle zurück, das Buch wird sich verkaufen, und jeder, der es liest, wird eine andere Meinung haben.“
Bettina Wulff war für den Prothesen-Hersteller Ottobock bei den Paralympics in London und wollte sich kurz vorm Rückflug am Flughafen zu den Rotlicht-Gerüchten nicht äußern. „Jetzt komme ich erst mal an, dann sehen wir weiter”, sagte sie.
Ein Artikel zum Thema ‘Bettina Wulff’ – erschienen bei den netzrosinen.ch möchte ich Ihnen nicht vorenthalten. Lesenswert, sagt Maria Lourdes!
“Jenseits des Protokolls, der Wahrheit oder der Ehre?”
OK, ich geb es ja zu: Die Tatoo-Tante hat mir ja nie gefallen und ihr präsidialer Handauf-Onkel erst recht nicht. Aber als vor ein paar Jahren und es ist ein paar Jahre her, gerüchteweise zu erfahren war, dass eben diese Tante während ihrem nicht abgeschlossenen Studium als Bardame oder ähnliches gearbeitet hätte, da habe ich nur den Kopf geschüttelt und ein wenig gegrinst. Was soll der Scheiss dachte ich. Und die Tatoo-Tante dachte offenbar ähnliches, denn sie reagierte in keinster Art und Weise. Doch das ist lange her und ich habe mich nicht mal mehr an diesen Mist erinnert.
Dass ihr Handauf-Onkel den präsidialen Job dann schon nach zwei mehr oder weniger erfolglosen Jahren geschmissen hat, war da schon ein anderes Thema. Und dass der Herr jetzt eine lebenslange jährliche Unterstützung in der Grössenordnung von einer Viertelmillion erhält, ist schon grenzwertig. Daran ändert sich auch nichts, wenn man diese generöse, staatliche Unterstützung Ehrensold nennt. Andernorts habe ich in Abwandlung eines Sprichwortes geschrieben: “Ehrensache Nebensache, Geldsache Hauptsache”.
Aber wie gesagt, das mit der Gerüchteküche ist schon jahrelang her und bis vor einigen Tagen hat man von der Tatoo-Tante auch nicht mehr viel gehört. Doch dann war auf einmal der mediale Teufel los:
Zuerst ging die Meldung durch die Qualitätsmedien, dass Tatoo-Betty ein Buch geschrieben habe. Um das gleich mal klarzustellen, die hat schreiben lassen. Von derselben Autorin die für die Ferres schrieb. Doch das stand nicht in der Meldung. Dort war zu lesen, dass Betty ein Buch geschrieben habe, das Mitte November erscheine und dass der Verlag mit einer Auflage in sechstelliger Höhe rechne.
Diese Meldung wurde dann dahingehend revidiert, dass der Erscheinungstermin auf Mitte September vorverlegt wurde. Das waren dann schon mal zwei Meldungen. Das ist legal und das nennt man PR. Oder Promotion oder wie auch immer. Doch das war noch gar nichts, denn danach ging es erst so richtig los.
Nachdem die Gute jahrelang nichts zu den dämlichen Gerüchten kommunizierte, konnte man nun auf einmal – in sozusagen sämtlichen Medien – erfahren, dass nun fertig lustig sei. Dass sie sich das nicht mehr länger gefallen lasse. Und dass sie jetzt dagegen mit sämtlichen juristischen Mitteln wie Abmahnungen, Unterlassungserklärungen und gerichtlichen Klagen vorgehe. Gegen alle, die da solche Gerüchte weitergeben oder sonstwie verlauten lassen.
Man stelle sich das einmal vor: Nach jahrelangem Nichts war das Gerücht eigentlich schon gestorben. Fakt ist nämlich, für die Dame interessierte sich mittlerweile keine Sau mehr. Und da geht die her und lüpft höchstpersönlich, sozusagen eigenhändig, diese gequirlte Scheisse aus der Jauchegrube der Gerüchteküche. Und macht sie so wieder bekannt. Und wie sie das macht! Das nennt man auch PR. Negative PR. Negativwerbung ist ja schliesslich besser als gar keine Werbung.
Da jedoch die Abmahnerei allein ausser ein wenig Kohle jedoch noch nicht den gewünschten Effekt bringt, müssen nun sogenannte Verstärker her. Und die wurden auch prompt gefunden. Neben einigen Zeitungen, Intertnetportalen und sonstigen Verbreitern hiessen die Hauptverstärker Jauch und Google. Diese würden nämlich eingeklagt. Wurde extrem grossflächig verbreitet.
Und diese Meldung war dann der PR-Knaller des Jahres in Sachen Buch-Promotion. Ob dieser PR-Knaller allerdings letztlich so funktioniert, wie sich die frischgebackene PR-Frau das vorstellt, steht auf einem ganz anderen Blatt.
Erstens einmal dürfte es gar nicht so einfach sein Google zu verklagen. Und wenn, dann müssten Microsofts Bing, Yahoo und andere Suchmaschinen auch verklagt werden, denn die machen haargenau dasselbe wie Google. Das kann jeder selber ausprobieren.
Zweitens ist Herr Jauch zwar echt prominent und hat trotz ursprünglicher Weigerung angeblich auch schon eine Unterlassungserklärung abgegeben. Das sorgte dann für zusätzlichen Medienwirbel. Aber auch hier gilt, mit der Verklagerei hätte es echte Probleme geben können. Denn der Fernsehmann hat ja lediglich einen Redakteur befragt ob es stimme, dass sie eine fertige Geschichte in der Schublade hätten. Der hat dann geklemmt doch das ist ein anderes Thema.
Drittens kommt verschärfend hinzu, das das Vorgehen der Tatoo-Tante und ihrer Anwälte schlicht und einfach einen “Streisand-Effekt” hervorrufen könnte. Was das genau ist, kann jeder bei Wikipedia in epischer Breite nachlesen. Und dort kann man dann auch nachlesen, dass deswegen die Klagerei volle Pulle in die Hose gehen kann.
Nun denn: Als der Verlag des bekannten Autors Thilo Sarrazin dessen Buch “Deutschland kratzt ab” (so oder ähnlich) mit einem riesigen medialen Hype vermarktete und so eine Wahnsinnsauflage erzielte, fand ich das schlicht und einfach genial. Und finde das immer noch. Kunst kommt schliesslich von Können und nicht vom Wollen sonst hiesse es Wunst.
Bei dem Buch der Tatoo-Tante ist die PR allerdings nicht im Bereiche der PR-Kunst zu suchen sondern eher im Bereich von PR-Wunst. Und es könnte durchaus sein, dass der Verlag auf einem Bücherberg sitzen bleibt, weil nicht im sechsstelligen Bereich gekauft wird sondern eher im vierstelligen. Denn das Buch Sarrazins hatte eine echte Aussage und wurde vom Autor, der auch sonst einiges auf dem Kasten hat, selbst geschrieben.
Das Vorgehen der tätowierten Ex-Präsidenten-Gattin ist jedoch so durchsichtig als PR zu erkennen, im Ganzen gesehen eher peinlich und könnte, da offensichtlich nichts drinsteht, das wirklich interessiert, auflagenmässig ein Flop werden.
Aber was eigentlich viel schlimmer ist und das sollte die Dame wissen, denn sie hat ja schliesslich PR studiert, wenn auch nicht abgeschlossen: Vor ein paar Wochen wussten sehr wenig Bundesbürger über diese angeblichen Gerüchte Bescheid. Jetzt findet man kaum einen, der es NICHT weiss. Doch hier könnte ja das alte Sprichwort zur Geltung kommen: “Und ist der Ruf mal ruiniert, dann lebt sich’s gänzlich ungeniert”.